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Fremd gegangen


rocroc
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vor 2 Minuten schrieb rocroc:

Dieses Weekend teste ich wieder einmal einen stillen Heuler ;-). Und ich krieg ihn einen ganzen Tag. Ziel: Praxistest - 200km am Stück, über Mittag mit Schnelladefunktion tanken - weitere 200km . Passstrassen, Autobahn - alles dabei. Modell: Eva Ribelle RS - aktuelle Version.

Angeschaut habe ich sie mir ja schon an der EICMA 2019 - ob ich die Chefmechanikerin beratend in Anspruch nehmen darf, ist noch nicht final geklärt.

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Ich werde berichten - am Sonntag oder so.

Rocky....meinst Du etwa die Chefmechanikerin mit den Sicherheitsschuhen? 😁

Bin mal auf deinen Bericht gespannt (zum stillen Heuler). 👍

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Am 8.5.2022 um 22:10 schrieb MadMax77:

Guzzi müsste sich halt mal viel mehr trauen oder dürfen die wegen Piaggio nicht?

Ne neue Mille GT, Le Mans oder 1000 S.

Sollen den 1400er Motor aus der Cali nehmen, der passt für so ein Konzept bestimmt prächtig.

Bin gespannt wie sich die neuen 1000er machen die dieses Jahr noch kommen.

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In rot gefällt sie mir schon!

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Am 23.9.2022 um 10:08 schrieb Croduc:

Rocky....meinst Du etwa die Chefmechanikerin mit den Sicherheitsschuhen? 😁

Bin mal auf deinen Bericht gespannt (zum stillen Heuler). 👍

Bin extrem an deinem Bericht interessiert. Habe gerade Roller und Auto auf E umgestellt ... allerdings dürfte das Moped doch meine finanziellen Reserven vernichten.

Trotzdem spannend.

 

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vor 6 Stunden schrieb Thomas Rossi:

Bin extrem an deinem Bericht interessiert. Habe gerade Roller und Auto auf E umgestellt ... allerdings dürfte das Moped doch meine finanziellen Reserven vernichten.

Trotzdem spannend.

 

Ach was 30k das hat man doch mal eben so😉

Hab mir die mal beim März live angeschaut. Extremst geil 😍.

Die Reichweite ist leider umgekehrt proportional zu Preis. Meiner Ansicht nach dadurch nur etwas für Lokal Heros oder schon sehr penibel geplanten Single Touren.

Die Idee mit anderen E-Bikern unterwegs zu sein ist nur kurz Gedacht eine gute Idee. Weil die wollen ja alle zu einem ähnlichen Zeitpunkt laden. Ich muss das jetzt nicht weiter ausführen oder?

 

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vor 8 Stunden schrieb Dirkdiggler:

… Und mit wem bist du jetzt fremd gegangen? 😜

Nachdem ich mir die Schuhe genauer angeschaut und die Konsequenzen eines Fehltritts in die Reproduktionsorgane abgeschätzt habe, nahm ich von meiner bewährten Anmache Abstand.

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Leider schaff ich aus Zeitmangel keinen ausgedehnten Testbericht heute.

Kurzfassung:

War ein Riesenspass! Der Motor ist der Hammer. Der unmittelbare Schub macht süchtig. Tanken am DC-Charger von 45% (nach 136 km Passstrassen aus Neugierde ausprobiert) auf 80% in 17 Minuten beim Kaffeetrinken. Reichweite im Alpengebiet beim sportlichen Fahren sicher 180 bis 200 km, beim Landstrassenbummeln klar mehr. 

Ich liefere demnächst weiteres Material.

Nein, ich habe (noch) keine gekauft ;-).

 

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So, nun reicht es doch noch zu einem detaillierten Bericht über den Battery-Racer …

Vorab: Die Ribelle ist das vierte Elektromoped, das ich teste. Nicht als Klimaaktivist, deshalb werde ich zu diesem Thema hier auch keine Überlegungen anstellen.

Mich interessiert bei den Bike-Tests - ob Kohlenwasserstoff-Verwerter oder Stromer - in erster Linie: Macht das Teil Spass? Passt es zu meinem Fahrerprofil? Ist es praxistauglich, auch in Bezug auf Wartung, Hege und Pflege? Kann ich es mir ohne Erbschaftsvorbezug und nächtlichen Sparkassenbesuch leisten?

Die Rahmenbedingungen

Das Bike hat mir unser sympathischer und kompetenter Elektro-Töff Papst, Adi von Büren (ein Vollblutmotorradler, der auch noch Verbrenner in seiner privaten Sammlung führt) in Stansstad bei Luzern leihweise für einen Tag zur Verfügung gestellt. Ursprünglich sollte es die Xperia sein, die aber aufgrund der grossen Nachfrage und allseits bekannter weltweiter Probleme unter Lieferschwierigkeiten leidet. Für den Topservice, den er mir geboten hat, hab ich ihm gerne ein paar Pics zur freien Verfügung überlassen.

Abgeholt habe ich die Eva bei bestem Wetter und sie nach etwas Techtalk und einer detaillierten Einführung Richtung Bergstrassen entführt (rund um Stansstad absolut keine Mangelware).

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Allgemeine Fahreindrücke

Keine Kupplung, kein Schalthebel: Zuerst einmal umgewöhnen. Das Gas ist unglaublich fein dosierbar, dazu weiter unten noch mehr. Das Teil fährt sich erstaunlich spielerisch - trotz gut 260 kg Fleisch am Knochen. Nach 7 Minuten bin ich aus dem Städtchen raus und auf der ersten Passstrasse – fast verkehrsfrei an einem Freitag. Gas aufreissen - ja bin ich deppert! (frei nach 1000 PS ...). Trotz Traktionskontrolle auf Stufe drei (von 6) hebt die Ribelle gefühlt komplett ab – in Wahrheit zum Glück nur vorne. Bei vollem Zug am Hebel ist die unmittelbar einsetzende Beschleunigung einfach abartig! Erzählen hilft da aber nichts – man muss es selbst erleben. Einschub für Technikfans: 126 KW Spitzenleistung, 110 KW Dauerleistung, 215 Nm Drehmoment, 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, 2.8 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h. Die Zahlen sagen trotz der durchaus respektablen Werte nichts darüber aus, wie unfassbar das Teil aus jedem beliebigen Geschwindigkeitsbereich unter 190km/h nach vorne (und das Vorderrad nach oben) drückt ... dabei kann man sich auch sehr sehr sanft Zentimeter um Zentimeter nach vorne (oder rückwärts!) schieben, wenn es denn sein muss. Die Gashand ersetzt die Kupplung, das Bike läuft aus dem Stand auf Wunsch mit 0.1 km/h los ... Ich bin mit grossem Grinsen unter dem Helm 50 km durch Kurven gewedelt (ohne auch nur ansatzweise Strom sparen zu wollen), bis ich einen Blick auf den Ladestand geworfen habe. 77% meldete die Batterieanzeige, 65 von ursprünglich 220 km die Reichweitenanzeige, die ich im Laufe des Tests als völlig sinnlos bewertet habe: Sie zeigt eigentlich nur auf, wie weit das Bike fahren würde, wenn man die gleiche Fahrweise auf dem gleichen Terrain wie auf den letzten paar Kilometern beibehalten würde. In meinem Fall: Wenn die leere Passstrasse noch weitere 65 Kilometer nur nach oben führen würde und man mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs wäre. Das ist schlichtweg unmöglich. Irgendwann geht es wieder runter, hat es mehr Verkehr, engere Kurven, geht es wieder geradeaus etc. Interessant war deshalb für mich ausschliesslich die Anzeige der verbleibenden Batteriekapazität.

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Der Motor (und der Gasgriff, der die Kupplung und die Gangschaltung ersetzt …)

Der Motor ist einfach eine Macht. Beeindruckend ist vor allem, wie fein und effizient Bewegungen der Gashand umgesetzt werden. Die Dosierbarkeit ist unglaublich gut. Die Rekuperation habe ich auf die höchste Stufe gesetzt. Dreht man den Gasgriff auf die Nullstellung, bremst das Bike wie ein grosser Twin. Bleibt das Gas ganz leicht geöffnet, ist die Rekuperation Null. Ich habe die Stärke der Rekuperation nie verstellt, weil ich festgestellt habe, wie leicht und präzise ich durch die Stellung des Gasgriffs die Motorbremse steuern kann. Fahrer von Reihenvierern würden das allenfalls anders einstellen. Ein Gimmick, das ich beim Fotografieren sehr geschätzt habe: Der Rückwärtsgang (Schritttempo), insbesondere, wenn man rückwärts ein paar Meter eine Steigung hoch muss, um das Bike von seiner Schokoladenseite zu zeigen.

Zum Gasgriff noch eine Ergänzung: Die Leistung des Motors und die Motorbremse kann nach kürzester Eingewöhnung in jeder Fahrsituation so abgerufen werden, dass man das Herunterschalten vor einer Kurve vom Effekt her fast simulieren kann.

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Das Fahrwerk

Ich bin das Standardfahrwerk gefahren. Die Marzocchi-Gabel vorne hat mir sehr gut gefallen. Straff, aber gut ansprechend. Mit dem hinteren Federbein konnte ich mich nicht anfreunden. Für mein Gewicht viel zu straff - zumindest auf den Passstrassen, die ich gefahren bin – und zu wenig gut ansprechend – trotz einiger Versuche mit der Dämpfung. Das Handling der optisch schlanken Diva mit gut kaschiertem Übergewicht ist erstaunlich gut; das Gewicht spürt man nur beim sehr engagierten Bremsen. Die funktionieren übrigens ausgezeichnet.

Der Schwerpunkt des Bikes ist gefühlt etwas weiter oben als bei der Monster. Trotzdem lässt sich ein sauberer Zug fahren. Es braucht etwas Eingewöhnung, bis man den Dreh mit Bremse und Motorbremse raus hat, kann dann aber sehr sehr zügig unterwegs sein.

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Der Verbrauch

Bei den Fossilen eher kein Thema. Fährt man einen Stromer, ist das die erste oder zweite Frage, die einem von Zweiradkollegen gestellt wird (die sich im Übrigen rege interessiert zeigten). Meinen ursprünglichen Plan von 200 km Fahrt / Tankpause / 200 km Fahrt konnte ich wettertechnisch nicht ganz umsetzen. Ich wollte aber unbedingt tanken, um den Ladeprozess zu testen. Nach 136 km wirklich sportlicher Fahrt ohne irgendwelche Rücksicht auf den Verbrauch, mehrheitlich Bergstrassen (rauf und natürlich wieder runter) habe ich eine DC-Charger Tankstelle gesucht. In der Schweiz kein Problem.

Die Batterie war bei 45%. Das Anschliessen des Kabels ist simpel. Während dem Ladevorgang habe ich mir einen Kaffee und ein paar Sandwiches geholt, weil ich im Teststress noch nichts gegessen hatte.

Nach 17 Minuten zeigte die Säule 80% an. Damit hätte ich locker weitere 140 oder mehr Kilometer fahren können. Nach 36 Minuten (solange brauchte ich für Kaffee, Telefon mit meiner Tochter bzgl. ihrer Geburtstagsparty und zwei Sandwiches) habe ich bei 98% Ladung abgebrochen und mich wieder auf die Elektrorakete gesetzt. Bezahlt habe ich für 10.5 kWh CHF 4.75 ohne Abo, also in etwa 5 Euro für 136 km.

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Wenn ich meine Norwegenreise mit Sozia und Guzzi diesen Sommer als Vorlage nehme: Ca. 120 km Fahrt: Kaffeestopp, 15’. Nach jeweils total 200 km: Tanken und Mittagessen, mindestens 60’. Nachmittags in der Regel noch 150 km, tanken, Hotel. Mehr als 350 km fahren wir zu zweit nur in Ausnahmefällen.

Mit der kommenden Xperia sollte das locker machbar sein. Beim Mittagessen an die Ladesäule, am Abend im Hotel an eine normale Steckdose. Die Reiseziele dürften aktuell bezgl. verfügbarer Ladesäulen noch eingeschränkt sein. Norwegen wäre kein Problem.

Fazit
Der Testride hat eine Menge Spass gemacht. Im Vergleich zu den Zero-Bikes sind die grössere Batteriekapazität und der DC-Charger ein klarer Vorteil.

Stärken: Genialer Motor, geniale Dosierbarkeit der Leistung, Schnell-Ladung, praxistaugliche Reichweite (wenn eine Schnell-Ladesäule beim bevorzugten Gourmet-Tempel steht 😉 oder einem romantischen Picknick beim Fast-Charger nichts im Wege steht – besonders kein Tesla-Treffen), Fahrspass, keine Hitzeprobleme, komfortables Stop&Go (wenn es denn einmal sein muss), Wartungsintervalle und Wartungskosten, kein Stiefellederabrieb links.

Verbesserungspotenzial: Fahrwerk der Standardversion fällt im Vergleich zum hervorragenden Motor leicht ab (Jammern auf hohem Niveau, liesse sich mit einem anderen Federbein hinten sicher verbessern). Die Öhlinsvariante bin ich allerdings nicht gefahren. Das Motorgeräusch ist nicht jedermanns Sache – Wölfe lieben es. Noch schneller laden wäre genial 😊. Der Preis … wenn man allerdings zur Erstinvestition die Wartungs- und Reparaturkosten hinzurechnet, schneidet die Ribelle wieder etwas besser ab.

Ich bin sehr gespannt auf die Xperia ... und fahre weiterhin gerne meine nichtheulenden Seelenvibratoren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Batterie auf zwei Rädern irgendwann in den nächsten zwei Jahren meinen Fuhrpark erweitert, ist aber deutlich gestiegen.

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Edited by rocroc
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Klasse Bericht @rocroc, macht das Bike echt gut nachvollziehbar lebendig!

Die Ribelle ist der erste Elektrohobel, bei dem man nicht spontan Augenkrebs bekommt…einen klassischen Rundscheinwerfer anstatt die beiden Alien Glotzaugen dran machen, die Kofferhalter und den langen Lämmerschwanz hinten weg und noch ein paar Kleinigkeiten und das kann was werden…man beachte auch den tollen GRR Ducati! ;-)

An das Geheule von diesen Antrieben werde ich mich aber voraussichtlich nie gewöhnen können. Aber wer weiß, vielleicht kommt die Triumph TE-1 ja auch bald auf die Straße und in die Läden, die würde ich tatsächlich gerne mal eines Tages ordentlich ausquetschen, die ist doch echt mal ganz schick…bis auf die beiden Glotzaugen! :D

 

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vor 2 Stunden schrieb Spirit64:

... die Kofferhalter und den langen Lämmerschwanz hinten weg ...

Der Adi war fototechnisch noch nicht auf mich vorbereitet ;-). Im Ausstellungsraum stand auch noch eine RS Ribelle Tricolore ohne störendes Gehängsel. Mit kurzem Heck sieht das tatsächlich ziemlich cool aus.

Ich muss ganz offen sagen - sogar mit einem Abstand von ein paar Tagen bin ich immer noch ziemlich geflasht. Die wesentlichste Erkenntnis für mich: Die Ribelle hat mir so viel Spass bereitet, dass ich irgendwie gar nicht so richtig über Vor- und Nachteile eines Verbrenners im Vergleich zum Stromer nachgedacht habe, sondern den Elektro-Racer als eigenständige Form einer Möglichkeit erlebt habe, auf zwei Rädern zu fliegen. Das nicht wirklich laute Heulen ist mit Geräuschfiltern, die ich diesmal auf den ersten 80 km dummerweise nicht getragen habe (der alte fast ausgeheilte Tinitus lässt grüssen und pfeift wieder leise vor sich hin), kaum zu hören.

Schaut man sich den einen oder anderen YouTube-Video zur Ribelle an, hört man beim Ziehen am Gasgriff verschiedene Kommentare wie: "Leck mi am Oarsch!" oder "Das ist so anders. Der Gasgriff setzt sofort genau um, was du denkst." Und dann hört man da noch viele Grunz- und Schnaufgeräusche unter den diversen Helmen, die an einen Retro-Porno aus den 70ern erinnern (was ich natürlich nur aus Erzählungen versauter Kollegen weiss).

Auf eine Stil-Ikone aus dem Hause Ducati wäre ich aber besonders gespannt. Der Claudio soll doch mal bei Audi anklopfen, ob man Energica nicht schlucken will ... Ich glaube nicht, dass eine Euro-7 Ducati noch irgendwelche hörenswerte Bollergeräusche produziert.

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Am 28.9.2022 um 20:59 schrieb rocroc:

 

So, nun reicht es doch noch zu einem detaillierten Bericht über den Battery-Racer …

Vorab: Die Ribelle ist das vierte Elektromoped, das ich teste. Nicht als Klimaaktivist, deshalb werde ich zu diesem Thema hier auch keine Überlegungen anstellen.

Mich interessiert bei den Bike-Tests - ob Kohlenwasserstoff-Verwerter oder Stromer - in erster Linie: Macht das Teil Spass? Passt es zu meinem Fahrerprofil? Ist es praxistauglich, auch in Bezug auf Wartung, Hege und Pflege? Kann ich es mir ohne Erbschaftsvorbezug und nächtlichen Sparkassenbesuch leisten?

Die Rahmenbedingungen

Das Bike hat mir unser sympathischer und kompetenter Elektro-Töff Papst, Adi von Büren (ein Vollblutmotorradler, der auch noch Verbrenner in seiner privaten Sammlung führt) in Stansstad bei Luzern leihweise für einen Tag zur Verfügung gestellt. Ursprünglich sollte es die Xperia sein, die aber aufgrund der grossen Nachfrage und allseits bekannter weltweiter Probleme unter Lieferschwierigkeiten leidet. Für den Topservice, den er mir geboten hat, hab ich ihm gerne ein paar Pics zur freien Verfügung überlassen.

Abgeholt habe ich die Eva bei bestem Wetter und sie nach etwas Techtalk und einer detaillierten Einführung Richtung Bergstrassen entführt (rund um Stansstad absolut keine Mangelware).

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Allgemeine Fahreindrücke

Keine Kupplung, kein Schalthebel: Zuerst einmal umgewöhnen. Das Gas ist unglaublich fein dosierbar, dazu weiter unten noch mehr. Das Teil fährt sich erstaunlich spielerisch - trotz gut 260 kg Fleisch am Knochen. Nach 7 Minuten bin ich aus dem Städtchen raus und auf der ersten Passstrasse – fast verkehrsfrei an einem Freitag. Gas aufreissen - ja bin ich deppert! (frei nach 1000 PS ...). Trotz Traktionskontrolle auf Stufe drei (von 6) hebt die Ribelle gefühlt komplett ab – in Wahrheit zum Glück nur vorne. Bei vollem Zug am Hebel ist die unmittelbar einsetzende Beschleunigung einfach abartig! Erzählen hilft da aber nichts – man muss es selbst erleben. Einschub für Technikfans: 126 KW Spitzenleistung, 110 KW Dauerleistung, 215 Nm Drehmoment, 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, 2.8 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h. Die Zahlen sagen trotz der durchaus respektablen Werte nichts darüber aus, wie unfassbar das Teil aus jedem beliebigen Geschwindigkeitsbereich unter 190km/h nach vorne (und das Vorderrad nach oben) drückt ... dabei kann man sich auch sehr sehr sanft Zentimeter um Zentimeter nach vorne (oder rückwärts!) schieben, wenn es denn sein muss. Die Gashand ersetzt die Kupplung, das Bike läuft aus dem Stand auf Wunsch mit 0.1 km/h los ... Ich bin mit grossem Grinsen unter dem Helm 50 km durch Kurven gewedelt (ohne auch nur ansatzweise Strom sparen zu wollen), bis ich einen Blick auf den Ladestand geworfen habe. 77% meldete die Batterieanzeige, 65 von ursprünglich 220 km die Reichweitenanzeige, die ich im Laufe des Tests als völlig sinnlos bewertet habe: Sie zeigt eigentlich nur auf, wie weit das Bike fahren würde, wenn man die gleiche Fahrweise auf dem gleichen Terrain wie auf den letzten paar Kilometern beibehalten würde. In meinem Fall: Wenn die leere Passstrasse noch weitere 65 Kilometer nur nach oben führen würde und man mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs wäre. Das ist schlichtweg unmöglich. Irgendwann geht es wieder runter, hat es mehr Verkehr, engere Kurven, geht es wieder geradeaus etc. Interessant war deshalb für mich ausschliesslich die Anzeige der verbleibenden Batteriekapazität.

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Der Motor (und der Gasgriff, der die Kupplung und die Gangschaltung ersetzt …)

Der Motor ist einfach eine Macht. Beeindruckend ist vor allem, wie fein und effizient Bewegungen der Gashand umgesetzt werden. Die Dosierbarkeit ist unglaublich gut. Die Rekuperation habe ich auf die höchste Stufe gesetzt. Dreht man den Gasgriff auf die Nullstellung, bremst das Bike wie ein grosser Twin. Bleibt das Gas ganz leicht geöffnet, ist die Rekuperation Null. Ich habe die Stärke der Rekuperation nie verstellt, weil ich festgestellt habe, wie leicht und präzise ich durch die Stellung des Gasgriffs die Motorbremse steuern kann. Fahrer von Reihenvierern würden das allenfalls anders einstellen. Ein Gimmick, das ich beim Fotografieren sehr geschätzt habe: Der Rückwärtsgang (Schritttempo), insbesondere, wenn man rückwärts ein paar Meter eine Steigung hoch muss, um das Bike von seiner Schokoladenseite zu zeigen.

Zum Gasgriff noch eine Ergänzung: Die Leistung des Motors und die Motorbremse kann nach kürzester Eingewöhnung in jeder Fahrsituation so abgerufen werden, dass man das Herunterschalten vor einer Kurve vom Effekt her fast simulieren kann.

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Das Fahrwerk

Ich bin das Standardfahrwerk gefahren. Die Marzocchi-Gabel vorne hat mir sehr gut gefallen. Straff, aber gut ansprechend. Mit dem hinteren Federbein konnte ich mich nicht anfreunden. Für mein Gewicht viel zu straff - zumindest auf den Passstrassen, die ich gefahren bin – und zu wenig gut ansprechend – trotz einiger Versuche mit der Dämpfung. Das Handling der optisch schlanken Diva mit gut kaschiertem Übergewicht ist erstaunlich gut; das Gewicht spürt man nur beim sehr engagierten Bremsen. Die funktionieren übrigens ausgezeichnet.

Der Schwerpunkt des Bikes ist gefühlt etwas weiter oben als bei der Monster. Trotzdem lässt sich ein sauberer Zug fahren. Es braucht etwas Eingewöhnung, bis man den Dreh mit Bremse und Motorbremse raus hat, kann dann aber sehr sehr zügig unterwegs sein.

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Der Verbrauch

Bei den Fossilen eher kein Thema. Fährt man einen Stromer, ist das die erste oder zweite Frage, die einem von Zweiradkollegen gestellt wird (die sich im Übrigen rege interessiert zeigten). Meinen ursprünglichen Plan von 200 km Fahrt / Tankpause / 200 km Fahrt konnte ich wettertechnisch nicht ganz umsetzen. Ich wollte aber unbedingt tanken, um den Ladeprozess zu testen. Nach 136 km wirklich sportlicher Fahrt ohne irgendwelche Rücksicht auf den Verbrauch, mehrheitlich Bergstrassen (rauf und natürlich wieder runter) habe ich eine DC-Charger Tankstelle gesucht. In der Schweiz kein Problem.

Die Batterie war bei 45%. Das Anschliessen des Kabels ist simpel. Während dem Ladevorgang habe ich mir einen Kaffee und ein paar Sandwiches geholt, weil ich im Teststress noch nichts gegessen hatte.

Nach 17 Minuten zeigte die Säule 80% an. Damit hätte ich locker weitere 140 oder mehr Kilometer fahren können. Nach 36 Minuten (solange brauchte ich für Kaffee, Telefon mit meiner Tochter bzgl. ihrer Geburtstagsparty und zwei Sandwiches) habe ich bei 98% Ladung abgebrochen und mich wieder auf die Elektrorakete gesetzt. Bezahlt habe ich für 10.5 kWh CHF 4.75 ohne Abo, also in etwa 5 Euro für 136 km.

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Wenn ich meine Norwegenreise mit Sozia und Guzzi diesen Sommer als Vorlage nehme: Ca. 120 km Fahrt: Kaffeestopp, 15’. Nach jeweils total 200 km: Tanken und Mittagessen, mindestens 60’. Nachmittags in der Regel noch 150 km, tanken, Hotel. Mehr als 350 km fahren wir zu zweit nur in Ausnahmefällen.

Mit der kommenden Xperia sollte das locker machbar sein. Beim Mittagessen an die Ladesäule, am Abend im Hotel an eine normale Steckdose. Die Reiseziele dürften aktuell bezgl. verfügbarer Ladesäulen noch eingeschränkt sein. Norwegen wäre kein Problem.

Fazit
Der Testride hat eine Menge Spass gemacht. Im Vergleich zu den Zero-Bikes sind die grössere Batteriekapazität und der DC-Charger ein klarer Vorteil.

Stärken: Genialer Motor, geniale Dosierbarkeit der Leistung, Schnell-Ladung, praxistaugliche Reichweite (wenn eine Schnell-Ladesäule beim bevorzugten Gourmet-Tempel steht 😉 oder einem romantischen Picknick beim Fast-Charger nichts im Wege steht – besonders kein Tesla-Treffen), Fahrspass, keine Hitzeprobleme, komfortables Stop&Go (wenn es denn einmal sein muss), Wartungsintervalle und Wartungskosten, kein Stiefellederabrieb links.

Verbesserungspotenzial: Fahrwerk der Standardversion fällt im Vergleich zum hervorragenden Motor leicht ab (Jammern auf hohem Niveau, liesse sich mit einem anderen Federbein hinten sicher verbessern). Die Öhlinsvariante bin ich allerdings nicht gefahren. Das Motorgeräusch ist nicht jedermanns Sache – Wölfe lieben es. Noch schneller laden wäre genial 😊. Der Preis … wenn man allerdings zur Erstinvestition die Wartungs- und Reparaturkosten hinzurechnet, schneidet die Ribelle wieder etwas besser ab.

Ich bin sehr gespannt auf die Xperia ... und fahre weiterhin gerne meine nichtheulenden Seelenvibratoren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Batterie auf zwei Rädern irgendwann in den nächsten zwei Jahren meinen Fuhrpark erweitert, ist aber deutlich gestiegen.

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Sehr cool danke 🙏 bekommt man richtig bock auch mal eine zu testen 

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