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Manni63

Einen Traum erfüllen ..... Stilfser Joch

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Wir haben bisher 4 Frühjahre den Motorradurlaub in den Dolo´s, Vinschgau und Trentino verbracht. Nie war das Joch offen, beim letzten Urlaub 2016 quälte mich ein übler Bandscheibenvorfall  .... 3 Tage italienische Physio absolviert und den Urlaub abbrechen müssen. 

Im Mai reifte der Entschluss Verpasstes nachzuholen. Hier im Forum einige interessante Gepäcklösungen gefunden. Wetterberichte studiert, manch gut gemeinten Rat über mich ergehen lassen. Dann war es soweit, dem Ritt zum Joch stand nichts im Weg. Vom 07.06 vier bis sechs Tage waren mein.  Mein Weibchen versorgte die Hunde und ich fuhr über die Vogesen, Elsass, Schwarzwald und Schweiz nach Italien, nur Landstrasse! 

Eine Übernachtung hatte ich in "Tengen" geplant. Nach 472 Km und 9 1/2 Stunden Fahrt dort beinahe vom Moped gefallen ...... oh Mann, was kann man sich an tun.  Noch was essen gehen, den Flüssigkeitshaushalt auffüllen und dann zeitig und Bett ...... wenn um 4 Uhr Nachbars Hahn nicht Spektakel gemacht hätte. OK ...., wir wohnen sehr ländlich, sicher gibt es auch Hennen und ein Hahn in der Nachbarschaft, wir nehmen ihn nicht war. Im Halbschlaf sah ich mich den Hahn rupfen und auf offenem Feuer grillen. Wäre wirklich lecker .... bei der Zubereitung bin ich doch wieder eingeschlafen. Der Wecker ging zeitig, das Frühstück reichhaltig. Ob der gegrillte Hahn appetitanregend wirkte? 

Die Schweiz, mit all den Radargeräten wurde unter die Räder genommen. Schaffhausen und Rheinfall als nächstes Ziel. Gewaltiges Getöse zog mich an. Also in voller Montur und Fotoapparat am Schloss Laufen den Weg runter zum Rheinfallbecken. Auffallend viele Inder sind zur Besichtigung dort. Kommunikation gesichert ..... wieviel Gruppenfotos ich gemacht habe, keine Ahnung mehr! Auf jeden Fall zu lange aufgehalten. Nervenaufreibende 295 Km lagen vor mir, mein Navi gab über 7 Stunden reine Fahrzeit an. Davos abgefahren und hoch zum Flüelapass und Ofenpass. Ortskundige Schweizer fahren hier auffallend zügig. 

Die SS41entlang ins gelobte Italien. Italienische Küche, das abendliche Leben auf der Strasse und nicht zuletzt die Freundlichkeit und geübter Umgang mit Gästen haben Italien zum Urlaubsland gemacht. Sonnenverwöhnte Natur, Früchte, Ackerbau, kleine Landwirtschaften und wenige Insekten auf dem Visier! Äpfel, Marillen, Wein, Kraut und Kornanbau, all diese Köstlichkeiten gibt es in kleinen Hofläden inclusive Hofführungen und anschließender Verkostung.  In Schlanders machte ich mich auf die Suche nach einem Hotel. In den Urlauben die wir hier im Frühjahr verbrachten war uns viel bekannt. Ich erinnerte mich am das Hotel "Alte Mühle".  Volltreffer .... Ich muss wohl fürchterlich ausgesehen haben, das Gepäck, wieder viel zu viel, wurde mir auf´s Zimmer getragen. Die Ortler-Gruppe im Blick genoß ich eine in der hauseigenen Pizzeria hergestellte Steinofen-Pizza. Den Flüssigkeitshaushalt korrigierte ich dieses mal mit zwei halbe Liter Bier. Übermüdet und Schmerzen in den Handgelenken und linken Fuß, kurzem Telefonat mit Zuhause, fiel ich ins Bett. Vorfreude ließ mich auch dieses mal kaum zur Nachtruhe bringen. 

Vor dem Wecker sprang ich aus dem Bett. Vorfreude, Schmerzen, oder das Feststellen das ich diese nicht mehr merkte? Ich war der Erste im Speisesaal. Kohlenhydrate bunkern .... es wird ein langer Tag. 7 Uhr waren es als ich auf des Moped stieg. Die Anfahrt zum Joch ist nicht weit. 49 Km, 48 Kehren, Steigungen zwischen 7 und 15 Prozent. Die guten Ratschläge waren plötzlich wieder im Kopf. Warum .... ?

Es ging durch Prad, den Suldenbach linker Hand Richtung Trafoi. Bis hier kann man sich einschwingen, auch mal die 8000 U/min erreichen. Kehre und Kehre gehts hoch zum Weißen Knott. Ein markant weißes Gebäude erschein, Bella Vista, Hotel schöne Aussicht. Ein älterer Herr sortiert Begrenzungssteine. Ich halte an und wir kommen ins Gespräch. Abschließend gab er mir den Rat zeitig oben zu sein. Schönes Wetter sei gemeldet. Bevor die ganze Meute oben am Joch wegen flanieren und schauen die Parkplatzsuche erschwert. Ich verabschiedete mich mit einem leichten Grinsen. Ist die Region nicht immer von der Sonne verwöhnt? 

Die nächsten Kehren fordern höchste Konzentration. Videos strauchelnder Harley-Fahrer, umkippende Fahrer deren Sitzbank zu hoch ist und die "strammen Jungs der GS-Fraktion" die ihre Pferdchen laufen lassen im Kopf, versaubeutle ich tatsächlich die erste Rechtskehre. OK, so früh kommt keiner runter und durch energisches drücken der Duc komme ich auch nicht auf die Gegenfahrbahn. Aber rund ist eben anders! Kehre 22, kurz über dem Berghotel Franzenhöhe mein zweiter Stop. Hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Kehren und deren Verlauf am Hang entlang. Ein Engländer hüpfte wie ein kleines Kind um seinen BMW "ichweißnichtwas" herum. Ein augenscheinlich Kraft strotzendes Modell, metallicblau. Breit - flach - und garnicht laut. Und wie üblich, ich fotografiere ihn und er mich. .Gerödel wieder in den Tankrucksack, Helm auf, die klebrigen schwer anzuziehenden Sommerhandschuhe an,  die kleine rote Prinzipessa freut sich auf die nächsten Kehren. Flüssig, ohne Gedanken über gute Ratschläge komme ich oben an. Parkplatzsuche kein Problem. Beim Verschließen des Bremsscheibenschloß merke ich doch ein leichtes Zittern in den Händen. An der Kälte kann es nicht liegen, mir ist warm!

Bis 12 Uhr bin ich oben gewesen, Fotos machen, Souvenirs suchen. Ober auf der Tibet-Hütte einen Kaffee trinken. Andere Leute beobachten wie erstaunt sie über die hier zu sehende Bergwelt ist. Panorama und Sonne genießen. Und nun .... nie für möglich gehaltenes. Ein holländischer Sattelschlepper (ohne Hänger), Ferrari-Rot und zwei Auspuffrohre aus Edelstahl stiehlt jeden Motorradfahrer die Schau. Kommend von Bormio quert der die Flanierecke, bahnt sich den Weg mit leichten Stößen seiner Druckluftfanfaren durch die Menge. Ich hinterher, das muß man sich anschauen wie der die Kehren runter kommt. Ein Maserati ist sein erstes Hindernis. Der LKW ganz rechts, eine flache Handbreit an der Mauer vorbei. Die junge Frau des Maserati-Fahrers hing mit dem Oberkörper aus dem Seitenfenster und gab dem Fahrer die tatsächliche Breite seines Fahrzeugs an ... köstlich! Dieses wiederholte sich bis zur Franzenhöhe im steten Wechsel zwischen Wohnmobil, Ferrari und Porsche. In der Kurve zur Abfahrt Franzenhöhe kam ich vorbei. Die Fahrer des LKW genossen sichtlich die Bergabfahrt.

Der Tag war noch jung. So machte ich mich mit dem Moped auf die Suche nach kulinarischen Spezialitäten, wohlwissend das ich kein Platz zum Verstauen eventueller Funde habe. Süsses ist ja ok., aber nur, nein. Zum Abschluss des Tages mußte was herzhaftes her. Ein Döner-Fladenbrot in Schlanders beim örtlichen Imbiss .... Kultur(banause).

Letzter Tag in Italien. Am Vortag habe ich mir Wetterberichte Österreichs und Deutschland angeschaut. Oh..oh, nicht gutes von oben. Zuerst wieder Hitze und dann kräftige Hitzegewitter. Beides auf dem Moped nicht unbedingt nötig. 8 Uhr, gefrühstückt, alles verstaut und rüttelfest verschnürt. Hotel bezahlen! Hier in diesem wunderbaren geräumigen Hotel-Einzelzimmer nächtigte ich inclusive Frühstück für € 50 / Tag. Es lohnt sich für einen Kurztripp hier anzufragen.

Meinem Navi gab ich vor: Schnellste Route ohne Autobahn. 826 km, Fahrzeit ca. 14 Stunden. Damit kann ich nicht leben. Die Strecken die parallel einer Autobahn laufen, wird diese genutzt. Ca. 250 km kommen in Frage, wird den neuen Reifen nicht schaden. Fahren, tanken, trinken .... kurz vor Koblenz auf der Bahn dunkeles Gewölk links von mir. Ich frage mich wie die Wolken den Weg über den Hunsrück schaffen. Entwarnung gaben die Windräder. Somit sollte der Wind von Osten kommen. Plötzlich, ohne jedes Gefühl sich in einer Regenfront zu bewegen prasselte es los. Keine Abfahrt, keine Brücke .... innerhalb von 3 Minuten war ich nass bis auf die Haut. Durchhalten und hoffen das ich was zum Unterstellen finde. Eine Brücke mit der Möglichkeit mittels Abbiegespur den Rest des Regens abzuwarten. 132 Km, geplante Ankunftszeit 21.30 Uhr. 15 Km weiter war die Strasse trocken. Also Gas ..... am Nürburgring angehalten, Handschuhe getaucht und die Navitante besseres geleert. 20.50 Uhr Zuhause eingebogen. Durch den Klang der Doc aufmerksam geworden stand sogar das Garagentor schon auf. Meine Frau war froh mich heile empfangen zu dürfen, meine Magyar-Vizsla-Damen ignorierten mich. 

Trotz aller Strapazen, schmerzenden Hintern, zeitweiser Ausfall der linken Wadenbeinmuskulatur wegen dem häufigen schalten, schmerzender Handgelenke .... die Tour hat Spass gemacht!!

 

Die linke Hand zum Gruß

Manfred

 

 

 

Irgendwo im Schwarzwald.jpg

Kehre 22.jpg

Stelvio in der Frühe.jpg

Stelvio später.jpg

Edited by Manni63
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schöner Bericht 🙂

 

jetzt kannst Du da also einen Haken dran machen grins. Bin es auch schon gefahren. Macht schon Spaß, allerdings nur wenn man zeitig etwas ab vom Verkehrsstrom fährt 🙂 

lg coffee

 

P.s. Was steht nun auf Deiner To Do Liste?

 

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Schöner Bericht und schöne Bilder Manfred.

Ich kann dich beruhigen, das Joch „sauber“ in den Kehren hoch zu fahren kannste auch nach mehreren Versuchen/Fahrten vergessen. 😬

In den engen Spitzkehren ist das am Joch immer ein rumgeeiere, wie wenn Du frisch den Führerschein gemacht hättest. 😜

So zumindest bei mir.....noch nie so richtig den „Flow“ am Joch gefunden. 😎

Spannend auch immer wieder, wenn die Bremsenentwickler diverser Automobilhersteller mit ihren mit Messtechnik ausgestatteten Fahrzeugen (abstehende Schleifringübertrager am Kotflügel) einem in den Kehren entgegen kommen. 😬

....d.h. nächster Punkt in deiner Liste angreifen. 👍🏽

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Sehr schöner Bericht :-) Ich war eine woche früher in der Gegend, habe aber nach Albula und Ofenpass den Umbrail genommen - ist eine schöne Alternative zum Stilfser Joch. Dann weiter über Gavia und Tonale zum Karerpass. Nach Übernachtung am nächsten Tag Sella/Pordoi, Campolongo, Jaufenpass und Timmelsjoch weiter über Hantennjoch nach Wardt. Am letzten Tag ist mir dann nach dem Hochtannbergpass meine Hinterradbremse ausgefallen so dass ich die Tour dann abgebrochen habe und auf dem schnellsten Weg - Autobahn ab Feldkirch - nach Hause - Oberurnen (am Walensee) - gefahren bin. eine schöne Tour und nicht nass geworden.

Viel unfallfreien und vor allem Bussenfreien Spass bei euren Touren

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Danke das der Bericht gefallen hat. 

In nun ca. 30 Tagen Motorrad-Urlaub die wir in den Dolos, Vinschgau und Trentino verbracht haben werden andere Regionen es schwer haben unsere Interessen zufrieden zu stellen. Das Stilfser Joch werde ich mit meiner Frau (Kawa-Fan) sicher noch mal unter die Räder nehmen. Aber einen solchen Ultra-Ritt, 1750 Km in 4 Tagen wird die Ausnahme bleiben. 

Das nächste Projekt sollte die Anschaffung oder Ausbau eines kompakten WOMo sein. Mal schauen was beim „Sauber Machen“ der in Frage kommenden Dieselmodelle noch alles Probleme aufwirft. Zumal man überall ließt das die „abgequetschten“ Motoren an Standfestigkeit einbüßen. Ein T5-T6 auszubauen wäre eine reizvolle Angelegenheit. Sowas liegt mir, Platz ist auch genug da. Der letzte Winter war extrem. Von Mitte November bis Mitte April lag hier in der Nord-Eifel Schnee. Solchen Natureinflüssen könnte man damit, wenigstens für kurze Zeit, aus dem Wege gehen.

Was Motorrad fahren angeht sind wir hier schon in einer interessanten Gegend. Ardennen im Rücken, das Rhein- und Moseltal vor uns, das Bergische und Sauerland sind auch nicht weit. Ein- oder Zweitagestouren, mit max. 350 Km, stehen noch einige an. Und im September wollen wir wieder nach Italien. Vielleicht suchen wir gemeinsam die Ideale Linie das Joch hoch. 

Grüße

Manfred

 

 

 

 

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